„Gladbach ist der geilste Club der Welt“

Ein Erklärungsversuch
In Mönchengladbach geht wieder was.
Und das in einer Saisonphase, die von der Natur der Sache her, die mit Abstand unterhaltsamste seiner Art ist und natürlich mit Blick auf die Tabelle bei uns Gladbachern wieder alte Begehrlichkeiten weckt. Natürlich schmecken Siege einfach besser, als ständig vorgehalten zu bekommen, ihr schafft es ja in 2 Jahren nicht, zwei mal nacheinander einer Dreier einzufahren.
Aber da ist noch etwas anderes, was wieder aufkeimt, warum es einfach Spaß macht, ein Fan von der einzig wahren Borussia zu sein. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass es grundsätzlich natürlich keiner Begründung bedarf, warum man einer solchen Leidenschaft nachgeht, aber wenn man bei dieser Fragestellung versucht, die Emotionen etwas außen vor zu lassen, kommen bestimmt einige interessante Blickwinkel zu Tage. Im Folgenden der Versuch, die aktuelle Situation im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten 5 Jahre zu spiegeln.
Da sind zuallererst natürlich die leidenschaftlichen Fans, und ich bin tatsächlich auch ein bisschen stolz darauf, dass wir mit unserer BMG auch eine kleine Teilmenge dieser durchaus auch leidensfähigen Gruppierung sind. Wenn die Seele in der Nordkurve von unserem Wohnzimmer brennt, ist Gänsehaut vorprogrammiert. Mal schauen, was für ein Gassenhauer die Fanszene zum 125-jährigen Bestehen uns präsentiert. Da hängen die Lorbeeren sicher ganz schön hoch.
Die angesprochene Leidenschaft spiegelt sich natürlich auch in die Reisefreudigkeit unserer Fangemeinde wieder. Ich behaupte jetzt einmal, dass bei allen 17 Auswärtsspielen das Kartenkontingent im Auswärtsblock erschöpft ist und wir sicherlich an dieser Stelle als Fanclub noch etwas Luft nach oben haben. Zumal wir ja bei unserer ersten zweitägigen Ausfahrt in die ausgewählte Stadt von dem Brausehersteller durchaus positive Ansätze gesammelt haben. Ich bin gespannt und freue mich schon auf die nächste große Auswärtsfahrt mit euch.
Einige wenige von uns haben natürlich auch noch die legendäre Geburtsstunde unserer Fohlenelf in den 70-ger Jahren mitbekommen, deren unbekümmerter Offensivfussball ja immer wieder mit der besten Borussia aller Zeiten in Verbindung gebracht wird. Aber, und das finde ich in diesem Zusammenhang eine sehr wichtige Randnotiz, es gibt durchaus auch in unserem Club mittlerweile viele Mitstreiter, die diese livehaftige Erfahrung eben nicht erleben konnten und dennoch nicht minder von der Raute infiziert sind. Da muss es also auch noch etwas anderes geben.
Unsere Borussia kommt als familienfreundlicher und vor allem authentisch geführter Verein rüber. Das ist in der heutigen Zeit, wo ein derartiger Verein sich auch den Gesetzmäßigkeiten eines modernen Wirtschaftsunternehmens stellen muss, eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Da gilt es, immer wieder kluge Entscheidungen zu treffen, wobei Borussia in der jüngsten Vergangenheit immer wieder betont hat, immer nur das Geld auszugeben, was tatsächlich auch auf dem Konto ist. Dieser Satz von Herrn Schippers, der immer wieder auch von seinen Nachfolgern zitiert wird, steht besmmt für ein eher konservativ geführtes Geschäftsgebaren. Und führt natürlich unweigerlich auch dazu, in guten Zeiten sich von Leistungsträgern gewinnbringend zu trennen und dieses Geld dann wieder in junge Talente oder auch gestandene Spieler aus der zweiten Liga oder aus den B-Ligen Europas zu investieren, die sich auf das Borussia-Gen einlassen wollen.
Da dürfen wir als Fan dann eben nicht enttäuscht sein, wenn ein Herr Kleindienst dann doch für 30 plus X Millionen Euros im Sommer den Verein verlassen würde. Ich persönlich hoffe, dass Herr Kleindienst seine Posi on in Gladbach zu schätzen weiß und nicht dem Verein nach nur einem Jahr den Rücken kehrt. Dennoch wird es bestimmt so sein, dass wir uns im Sommer von Leistungsträgern trennen müssen, die uns erst in diese komfortable Ausgangssituation gebracht haben. Da sind wir wieder bei den klugen Entscheidungen unserer Vereinsführung.
Das Präsidium Borussias musste insbesondere nach dem stürmischen Abgang von Max Eberl im Januar 2022 große Entscheidungen treffen, die aufgrund der dadurch verbundenen Neuausrichtung sich auch nachhaltig auf die Vereinsstruktur sowie auch auf die sportliche Leistungsfähigkeit der Mannschaft auswirkte. Hier auf Roland Virkus zu setzen, war ein durchaus riskantes Unterfangen, hat die Position des Sportdirektors doch auch Einfluss auf eine nicht zu unterschätzende Außendarstellung des Vereins. Dieser Part gehört sicher nicht zu seinen persönlichen Kernkompetenzen, was unter anderem auch dazu geführt hat, dass die wöchentlichen Pressekonferenzen seit geraumer Zeit regelmäßig ohne den Sportdirektor stattinden.
Mit dem neuen Präsidium um Rainer Bonhof und ganz aktuell auch mit der Torwartlegende Uwe Kamps hat man es geschafft , im Präsidium das sportliche Know-How neben unserer Quotenfrau neu aufzustellen. Dennoch hat man es an dieser Stelle versäumt, den geschäftsführenden Institutionen einen neuen frischeren Anstrich zu verpassen. Wie wir ja alle wissen, ist der Versuch, dieses mit Herrn Schmadtke Junior zu bewerkstelligen nach nur einem Jahr gescheitert.
Aber der Erfolg heiligt auch hier die Mittel. Herr Virkus und sein Team haben durchaus gute Entscheidungen getroffen. Insbesondere die Herren Kleindienst, Honorat, Itakura oder auch Sander sind hier zu nennen. Wenn im Sommer dann die Transferflops Cvancara und Ngoumou sich einen anderen Verein anschließen, gibt es ja vielleicht noch Potential für mindestens zwei weitere Neuverpflichtungen, die Bock auf die Borussia und das Umfeld haben. Idealerweise kann man die potentiellen Kandidaten mit einer wie auch immer gearteten europäischen Bühne locken.
Falls es tatsächlich mit Europa klappen sollte, was im Übrigen vor Weihnachten wohl keiner zu träumen wagte, freuen wir uns auf die zusätzlichen Bonbons und darauf, dass wir uns hoffentlich nicht daran verschlucken. Da wäre dann sicherlich das Duo Seoane/Virkus gefordert, wobei in diesem Fall schon ein gewissen Anflug von der herbeigesehnten Kontinuität erkennbar wäre. Aber da ist tatsächlich noch ganz schön viel Konjunktiv im Spiel.
Zu guter Letzt tut es der in den letzten Jahren leicht geschundenen Borussen-Seele gut, wenn die Verantwortlichen sich auch mal wieder daran erinnern, dass der Verein sich in Verbindung mit der Jugendakademie eine ausgezeichnete Nachwuchsförderung aufgebaut hat. Wenn der 18-jährige Pereira Cardoso sich sicher auch nur durch eine Verkettung von ungünstigen Umständen in der Bundesliga zeigen konnte, so freut es einem umso mehr, wie selbstverständlich er seinen Job verrichtete, keinen Gegentreffer zuließ und sich die Mannschaft für ihn ordentlich ins Zeug legte.
Die Rahmenbedingungen in und um den Borussiapark herum haben meiner Ansicht nach mehr derartige Versuche verdient, jungen Spielern die Möglichkeit zu bieten, sich auf der großen Bühne des Fußballs zu zeigen. Dann geht vielleicht in Mönchengladbach perspektivisch gesehen sogar noch ein bisschen mehr.
Beste schwarz-weiß-grüne Grüße
von Werner Meyer